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Hallöchen ihr Lieben!

Heute möchte ich einmal auf ein Thema eingehen, daß ich hier noch nicht hatte. Gleichzeitig gehe ich auch einmal etwas näher auf die Verkehrspolitik hier in meiner Heimatstadt Augsburg ein, was ich bisher ja eigentlich noch gar nicht gemacht habe. Es betrifft auch gleichzeitig eines meiner Hobbys, nämlich das Radfahren.

Anstoß hierfür gab mir ein Artikel der “Augsburger Zeitung”, welcher auf einen entsprechenden Test des ADFC zurück greift. Was soll ich sagen? Ich kann dieses negative Ergebnis für Augsburg nur bestätigen. Augsburg soll bis 2020 eine Fahrradstadt werden? Dann gehört die Stadt aber größtenteils abgerissen und neu aufgebaut!

 

Neue Straßen:

Hier fängt es schon mal damit an, daß wir Radfahrer in Augsburg anscheinend als vorhandenes Übel angesehen werden. Beim Ausbau einer Straße wird nicht nur der eventuell geplante Radweg nur als einfacher Strich auf der Straße verwirklicht, es werden auch schon vorhandene Radwege zu einem solchen umgebaut! Das beste Beispiel hierfür ist die als Lechbrücke bekannte Ulrichsbrücke, welche unter Anderem die Hauptverbindung von den Stadtteilen Lechhausen, Hammerschmiede und Firnhaberau (wo ich wohne) zur Stadtmitte herstellt.

Gerade jetzt im Winter ist dieser Radweg meistens unbenutzbar. Erst werden die Straßen geräumt und für diesen Schnee ist der nächste Platz natürlich der Radweg. Dann wird der Fußweg über die Brücke geräumt und auch dieser Schnee landet auf dem Radweg! Wo bitte soll da ein Radfahrer denn hin? Auf dem Fußweg ist verboten, da ein Radweg vorhanden ist, da verlangt das Ordnungsamt ~20,00 €uro. Auf der Straße selbst darf man aber auch nicht fahren, was bei dieser Strecke sowieso lebensgefährlich wäre, das kostet ebenfalls ~20,00 €uro! Das die Brücke selbst vom verwendeten Material her Murks ist, das möchte ich jetzt nur nebenbei erwähnen.

Aber auch auf anderen Straßen ist es so, daß im Winter der ganze Schnee auf den Radweg geschoben wird. Wir Radfahrer haben also nur die Möglichkeit, daß wir auf die Straße ausweichen. Der Fußweg ist uns ja verboten, das kann unter Umständen richtig teuer werden! Auch gibt es genügend Straßen hier in Augsburg, die erst vor kurzem umgebaut wurden, aber erst gar keinen Radweg besitzen.

Bestes Beispiel hierfür ist die “Reichenberger Straße”, welche eine der Hauptverbindungen zum real,- ist. Einen Radweg sucht man hier vergeblich, es gibt ihn nämlich nicht. Nun ist es aber so, daß diese Straße Ende Oktober/Anfang November 2012 nach einem Umbau erst wieder komplett freigegeben wurde. Fahrradfreundlich Fehlanzeige! Der einzige Lichtblick dort ist, daß diese Straße aus verschiedenen Gründen nun zur 30-Zone gemacht wurde.

 

Radfahren im Winter:

Im Winter ist Augsburg ein äußerst gefährliches Pflaster, allerdings nicht nur für uns Radfahrer. Regelmäßig hört man hier jedes Jahr, daß die Stadtwerke Augsburg vom plötzlichen Schneefall mitten im Winter überrascht wurde. Das wurde zwar immer schon viele Tage zuvor bei sämtlichen Wettermeldungen bekannt gegeben, aber die Stadtwerke hat wohl weder Fernsehen, noch Radio oder gar Internet. Es ist wirklich jedes Jahr das selbe Theater, mindestens während der ersten beiden Tage Schneefall im Jahr herrscht hier Chaos2.

Im Winter ist Augsburg für einen Radfahrer wirklich das aller Letzte. Zu dieser Jahreszeit wünsche ich es absolut niemandem, daß er wie ich hier mit dem Fahrrad auf sein Rad angewiesen ist. Allerdings gilt das bei dem Räum- und Streuverhalten der Stadtwerke Augsburg für alle Verkehrsteilnehmer: Es ist schlicht und ergreifend lebensgefährlich!

 

Radfahren im Sommer:

Auch im Sommer ist Augsburg für Radfahrer ein gefährliches Pflaster. Auf den meisten Straßen gibt es nämlich keinen Radweg, was bei den Hauptverkehrsstrecken wirklich lebensgefährlich ist. Wer will kann sich ja mal die Neuburger Straße und die Blücherstraße bei Google Maps begutachten. Das sind sozusagen zwei der großen Rennstrecken von Augsburg, auf denen das Radfahren nicht gerade als gesundheitsfördernd bezeichnet werden kann!

Auch die Sebastianstraße ist wirklich toll. Das ist die Straße, die von der MAN über Haindl/UPM zur Stadtmitte geht. Von der Heinrich-von-Buz-Straße bis zur Thommstraße (zwei Seitenstraßen) gibt es in Richtung Stadtmitte nur einen sehr schmalen Streifen für Radfahrer, der dazu auch nur durch einen dummen weißen Strich getrennt den Radweg darstellt. Während der Hauptverkehrszeit sollte man diese Strecke als Radfahrer wenn möglich vermeiden, es gibt dort nämlich nicht nur diese beiden Firmen. Da ist während dieser Zeit immer einiges los, worüber wir Radfahrer uns natürlich sehr freuen… oder so!

 

Einbahnstraßen:

In fast allen größeren Städten ist es erlaubt, daß man mit dem Fahrrad in der Gegenrichtung durch fast alle Einbahnstraßen fahren darf. In Augsburg ist das Gegenteil der Fall, man darf es fast nirgends. Mir persönlich sind sogar nur zwei Einbahnstraßen hier bekannt, in denen das erlaubt ist. Nicht dazu gehört z. B. das wirklich sehr kurze und auch sehr wenig befahrene Parallelstück der Leipziger Straße, welches von der MAN-Brücke/Hans-Böckler-Straße zu mir in die Dr.-Otto-Meyer-Straße führt.

Besser gesagt die Gegenrichtung ist nicht erlaubt. Von der Hans-Böckler-Straße aus darf man natürlich schon direkt nach dem “Wirtshaus am Lech” dort einbiegen. Wer aber direkt neben dem Wirtshaus wohnt, der müßte eigentlich um den kompletten Häuserblock herum fahren, um über das Endstück der Dr.-Otto-Meyer-Straße auf die Hans-Böckler-Straße und die MAN-Brücke zu kommen. Autofahrer sind hier allerdings noch schlechter dran, die müßen nämlich durch die ganze Dr.-Otto-Meyer-Straße durch in die andere Richtung fahrenund dann über die Schillstraße zur Hans-Böckler-Straße! Die Dr.-Otto-Meyer-Straße ist auf diesem Teilstück nämlich eine Sackgasse, da geht es also gar nicht mehr weiter.

 

Die Fußgängerzone:

Da geht ja mal so gut wie gar nichts! Wehe dem/derjenigen, der/die dort auf dem Fahrrad erwischt wird. 20,00 €uronen sind wohl weg, Augsburg ist nicht gerade billig! Ich kenne ehrlich gesagt so auf die Schnelle keine einzige Stadt, in der man nicht mit dem Rad durch die Fußgängerzone fahren darf. Wobei das ja so gar nicht stimmt, da das Ordnungsamt gerne auch an den falschen Stellen kassieren will und auch die entsprechenden Schilder zum Teil gar nicht überein stimmen! Es gibt hier nämlich Schilder, da steht auf der einen Seite der Straße, daß man mit dem Rad fahren darf, auf der anderen Seite steht aber was anderes oder es ist von der einen Seite her zeitlich begrenzt und von der anderen Seite nicht!

 

Mein Fazit: Fahrradstadt Augsburg 2020:

Die Stadtplaner reden ja schon lange davon, daß sie Augsburg für uns Radfahrer erschließen wollen. Allerdings muß ich eher sagen, daß sie uns mit ihrer Planung eher erschießen. Die Radwege werden immer schlechter, wenn sie denn überhaupt eingeplant sind:

  • Vorhandene Radwege werden bei einem Umbau auf die Straßen verlegt
  • Neue Radwege werden ebenfalls auf die Straße verlegt
  • Im Winter werden die Radwege durch die Räumfahrzeuge mit Schnee verbaut
  • Auf sehr vielen großen Straßen ist gar kein Radweg vorhanden und auch nicht geplant

Offen und ehrlich gesagt ist der Zustand in Augsburg für Radfahrer so chaotisch, daß zum Teil selbst die Ordnungshüter nicht darüber Bescheid wissen. Schilder tauchen auf und verschwinden nach ein paar Tagen wieder, sie widersprechen sich gegenseitig und sagen am einen Ende der Straße etwas völlig anderes wie auf am anderen Ende. Radwege sind entweder gar nicht vorhanden oder werden im Winter von den Räumfahrzeugen zugeschüttet.

Noch schlimmer sind allerdings die Straßen, die gerade umgebaut oder auch neu angelegt werden. Der Radweg kommt als ein billiger weißer Streifen auf die Straße, falls es überhaupt einen solchen gibt! Für das Jahr 2020, also in gerade mal 7 Jahren, sehe ich absolut keine Chance, daß Augsburg auch nur annähernd in die Nähe des Begriffs “fahrradfreundlich” kommt. Als “Fahrradstadt” wird sich Augsburg auch in 50 Jahren nicht betiteln dürfen, das wäre eine Beleidigung für diese Bezeichnung!

 

PS.: Bilder folgen!

 

Viele Grüße aus der Nichtfahrradstadt Augsburg

Carpe Noctem

Mike, TmoWizard Zaubersmilie

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3 Replies to “Fahrradstadt Augsburg? Das war wohl nichts!”

  1. Bei uns in Frankfurt ist es auch nicht viel besser, an einigen Stellen ist als Radfahrer einfach kein durch kommen. Da muss man sich zwangsweise zu den Fußgängern gesellen und sich den Platz mit diesen teilen.

    Das gefällt zwar weder mir noch den Fußgängern aber was können wir schon daran ändern wenn dickärschige Politiker die in A6 und A8 umherchauffiert werden über die Fuß- und Radwege des Pöbels entscheiden

  2. Mir scheint es so, als wäre es im Moment sehr angesagt alles und jeden mit dem grünen Daumen in Verbindung zu bringen. Eine Vision für eine Fahrradstadt zu haben ist sicherlich erstrebenswert und findet viel Beifall. Schwerer wird es dann jedoch bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen und Infrastruktur. Ich sehe es doch bei uns in Dortmund, wo man sich im Stadtkern quasi nicht mit dem Rad bewegen kann.

    [EDIT: URL wegen Werbung gelöscht –> SPAM!]

  3. Wer kann mir sagen, wie ich ohne große Lebensgafahr mit dem Rad von der Neuburger Str. zum Eschenbhof komme?
    (zum Nordfriedhof will ich noch nicht!)
    Umweltstadt Augsburg: selbsgefällige verlogene Phrasen, denn
    das umweltfreundlichste Verkehgrsmittel wird gezielt vergessen! Radfahrer bringen ja kein Geld.
    Die hohen Damen und Herren werden auf Bürgerkosten kutschiert
    und haben keine Ahnung wie man sich z.B. als Radfahrer in
    der Grottenau fühlt.

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