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Liebe Leserinnen und Leser,

das hat ja nicht lange gedauert! Kaum hat das EU-Parlament die Netzneutralität das Klo hinunter gespült meldet sich auch schon die Drosselkom mit der Meinung, daß “spezielle Dienste” bevorzugt werden müßen. Natürlich meinen die damit ihre eigenen Dienste, YouTube und ähnliches soll also demnächst nur noch im Schneckentempo bei den Nutzern ankommen. Schließlich muß ja das Internet entlastet werden, da die Drosselkom das Geld für den Ausbau von Gasfaser nicht hat. Die bereiten lieber mit “Vectoring” den Ausbau von Glasfaser vor, da man ja damit wesentlich billiger weg kommt!

Äh… wasislos? Erst Vectoring über das vorhandene Kupferkabel ausbauen und dann Glasfaser? Ich baue also zweimal aus und das ist billiger? Gut, das muß ich mir merkeln! Ich baue mir also eine Hütte aus Pappmasche und danach wechsle ich die Mauern gegen Ziegel aus, denn der doppelte Weg ist ja viel billiger wie der einfache! Dazu gehe ich hin und drehe das meinen Kunden als die billigere Alternative an, die ich ihnen teurer wie die Konkurrenz verkaufe.

 

Marktmacht!

Ich frage mich hier wirklich, wie blöde eigentlich der Mensch als angebliche Krone der Schöpfung sein kann! Die Telekom ist doch das absolut teuerste Unternehmen, welches es im Bereich Telekommunikation gibt. Für meinen derzeitigen Glasfaseranschluß müßte ich fast 10,oo € mehr zahlen und dann sagen die mir auch noch, daß bei mir gar kein Glasfaser vorhanden oder geplant ist!

Öhm… congstar ist eine Tochter der Telekom. Die haben damals zusammen mit M-net hier Glasfaser gelegt und ich war einer der ersten Kunden! Drosselung, was ist das? Bei meinem Tarif ist gar nichts dabei, spezielle Dienste gibt es nicht. Ich habe eine Telefon- und Internetflat gebucht und die habe ich auch.

 

Tim Höttges, der Telekom-Chef!

Tim Höttges, Telekom!

Man sieht es schon an seinem blöden Grinsen, daß dieser Typ sich was verkehrtes durch die Nase gezogen hat. Es wird die ganze Zeit gejammert, daß es hier in Deutschland tote Hose ist mit Startups im Internet und dann kommt dieser Trottel daher und macht alles noch viel schlimmer! M-net macht es hier in Bayern allerdings vor, wie es wirklich funktionieren kann. Die fragen nicht erst lang, die legen das Glasfaser einfach.

Er hat ja tatsächlich einen eigenen Blogartikel darüber verfaßt und den sehen wir uns jetzt mal genauer an, ich zitiere:

Politik hat in unserer Gesellschaft die Aufgabe, unterschiedliche Interessen zum Ausgleich zu bringen. Sicherlich schwierig war das beim Thema Netzneutralität: Die Fronten sind verhärtet, die Positionen teilweise fundamentalistisch. Netzaktivisten, die das Netz als öffentliches Gut begreifen, das bisher „neutral“ sei. Internetunternehmen, die fürchten, stärker zur Kasse gebeten zu werden. Und schließlich Telekommunikationsunternehmen, die um die Refinanzierung ihrer milliardenschweren Investitionen in die Breitbandinfrastruktur fürchten.

Öhm… was? Zur Wiederholung:

Internetunternehmen, die fürchten, stärker zur Kasse gebeten zu werden.

Hierzu den dritten Absatz aus seinem Posting:

Warum braucht es diese Spezialdienste im Netz? Das Internet ist vielfältig und bringt Dienste hervor, an die bis vor kurzem noch niemand gedacht hat. Das fängt bei Videokonferenzen und Online-Gaming an und geht über Telemedizin, die automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos bis zu vernetzten Produktionsprozessen der Industrie. Gemeinsam haben diese Dienste, dass sie andere, teilweise höhere Qualitätsanforderungen haben als das einfache Surfen oder die E-Mail, die auch ein paar Millisekunden später ankommen kann. Eine Videokonferenz sollte beispielsweise auch zu Stoßzeiten im Netz nicht ins Stocken geraten. Deshalb muss die Möglichkeit bestehen, dass die Daten empfindlicher Dienste im Stau Vorfahrt bekommen.

Spezialdienste? Video-Konferenzen und Online-Spiele? An die hat man vor kurzem noch nicht gedacht? Hat sich der Mann ein paar Bahnen gefriergetrocknete Salpetersäure durch die Nase gezogen oder sein Gehirn durch einen Nudelsieb ersetzen lassen? World of Warcraft ist von 2005 und somit seit 10 Jahren auf dem Markt. Man sieht nur an diesem Absatz, daß dieser schräge Vogel noch weiter verschlafen hat wie damals Microsoft mit dem Internet! Ich habe hier noch ein paar Onlinegames, die noch unter Windows 95 laufen, in welchem Jahrhundert lebt dieser Mann eigentlich? 2015 kann das ja nicht sein, das hört sich eher nach der Zeit mit der Hexenverbrennung an! Von Skype hat er wohl auch noch nie was gehört, das existiert erst seit 2003!

Alleine an diesem einen Absatz erkennt man bereits, daß die Telekom hier ganz einfach gewaltig abzocken will! Hierzu ein Video von SemperVideo, bei welchem der ganze Mist der Telekom ziemlich genau erklärt wird:

SemperVideo: Netzneutralität abgeschafft

Die Drosselkom will hier einfach nur ihre eigenen Dienste bevorzugen und von anderen Anbietern und natürlich von den Kunden noch mehr Geld abzocken, dafür haben sie sich ja beim EU-Parlament entsprechend eingeschleimt. Die brauchen sich echt nicht wundern, daß ihnen immer mehr Kunden davonlaufen. Ein noch abschreckenderes Beispiel der Abzocke gibt es fast nicht, das schafft nur noch die BILD!

Noch ein Zitat aus dem ersten Absatz des Herrn Höttges:

Und schließlich Telekommunikationsunternehmen, die um die Refinanzierung ihrer milliardenschweren Investitionen in die Breitbandinfrastruktur fürchten.

Die Telekom kann damit wohl nicht gemeint sein, denn die investieren ja eigentlich gar nichts! Die basteln lieber an ihrem Vectoring, denn schnelles Internet durch Glasfaser will ja angeblich niemand haben laut der Telekom. “Milliardenschwer” ist hier nur die Telekom selbst, aber von welcher Breitbandinfrastruktur er hier redet ist mir schleierhaft!

 

Gegen unseren Wunsch!

Eine absolute Frechheit ist nun der zweite Absatz des Herrn Höttges, ich zitiere wieder:

Die Politik hat sich die unterschiedlichen Positionen über Monate angehört: Von Lobbyisten beider Seiten, über Petitionen, klassische Medien und Social Media. Jetzt hat das EU-Parlament den ausgehandelten Vorschlag von EU-Kommission, Rat und Parlamentsvertretern gebilligt. Herausgekommen ist ein Kompromiss, der durchaus ausgewogen ist: Gegen unseren Wunsch gibt es Regeln zur Netzneutralität und damit mehr Regulierung. Die neue Verordnung soll ausschließen, dass der Internetzugang für EU-Bürger eingeschränkt wird. Regulierungsbehörden werden dafür zusätzliche Aufsichtskompetenzen und Sanktionsmöglichkeiten erhalten. Gleichzeitig bleibt es aber möglich, auch in Zukunft innovative Internetdienste zu entwickeln, die höhere Qualitätsansprüche haben. Das sind die so genannten Spezialdienste

Auf klar deutsch erklärt müßen neue Startups bei der Telekom nun “Spezialdienste” dazu buchen, wenn sie auf dem neuesten Stand des Internet sein wollen und bei den Telekomikern sind! Ich wundere mich hier wirklich nicht mehr, warum es in Deutschland keine Konkurrenz zu Google, Facebook und Co. gibt. Außer im Automobilbereich und dank der KUKA auch in der Robotik sind wir doch mit allem dermaßen weit hinterher, daß uns selbst Entwicklungsländer nur noch auslachen! Aber es kommt noch dicker von dem Herrn:

Gegner von Spezialdiensten behaupten, kleine Anbieter könnten sich diese nicht leisten. Das Gegenteil ist richtig: Gerade Start-Ups brauchen Spezialdienste, um mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können. Google und Co. können sich weltweite Serverparks leisten, damit die Inhalte näher zu den Kunden bringen und die Qualität ihrer Dienste so verbessern. Das können sich Kleine nicht leisten. Wollen sie Dienste auf den Markt bringen, bei denen eine gute Übertragungsqualität garantiert sein muss, brauchen gerade sie Spezialdienste. Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur. Und es sorgt für mehr Wettbewerb im Netz.

Hiermit steht eindeutig fest, daß Herr Höttges keine gefriergetrocknete Salpetersäure verwendet hat, es muß doch der Hirnersatz durch ein Nudelsieb sein! Die Startups (er kann nicht einmal das Wort fehlerfrei schreiben!) können sich solche Dienste nicht leisten, also brauchen sie ab jetzt ganz dringend die teuren Spezialdienste der Drosselkom!

 

Mein Fazit:

Braucht es hier eigentlich noch weiterer Worte? Das ist eine Abzocke auf höchster Ebene, was sich die Telekom hier wieder einmal erlaubt! Das große Problem dabei ist, daß viele kleinere Provider vom Netz der Telekom abhängig sind und an dieses Unternehmen Gebühren für die “Letzte Meile” zahlen müßen. Es müßen also für diese Spezialdienste folgen Zahlungen entrichtet werden:

  1. Die Startups, welche diese Dienste benötigen
  2. Die Provider, welche vom Netz der Telekom abhängig sind
  3. Die Kunden, welche bei der Telekom oder den abhängigen Providern sind
  4. Nochmal die Kunden, welche die Dienste der Startups verwenden wollen

Und wer kassiert die ganze Kohle ein? Richtig geraten:

Die Telekom!

Und wieder einmal bin ich froh, daß ich hier keinen “speziellen Dienst” verwende und bei M-net bin! Bei meinem Tarif gibt es keine Bevormundung und M-net haben auch ihre eigene Leitung hier, so daß sie auf die “Spezialdienste” der Drosselkom nicht angewiesen sind! Wobei hier zu beachten ist, daß wir alle davon betroffen sind. Das Ganze gilt schließlich auch für Hoster, welche ebenfalls von der Telekom abhängig sind! Das sind dann die Leute, bei denen unsere Blogs, Foren und Webseiten sind.

Wenn ihr euch übrigens wundert, daß hier bei dem Artikel “Überwachung” und “Zensur” zu den Schlagwörtern gehören:

Wer “spezielle Dienste” bucht, der wird sie auch bekommen!

Einfacher kann man es doch dem BND und anderen Geheimdiensten nicht machen, daß die Leute eindeutig identifiziert werden können.

Ach ja: Eigentlich habe ich noch wesentlich mehr Links zu dem Thema gesammelt aber ich denke, daß es auch so genug ist.

Und noch was:

Ich hab es mal wieder verschlafen, mein Blog ist am 14.10.2015 tatsächlich 9 Jahre alt geworden!

 

Viele Grüße nun aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

Y gwir yn erbyn Y byd!

Mike, TmoWizard Zaubersmilie

CC BY-NC-SA 4.0 Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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One Reply to “Adieu #Netzneutralität, willkommen im #Neuland bei der #Drosselkom!”

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